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17. September 2020 • Europäische Union

Das Bienensterben in der Imkerei - Was können wir tun?

Turbo-Landwirtschaft mit hochgiftigen Pflanzenschutzmitteln gefährdet die Bienenvölker

Immer häufiger kommt das Bienensterben ins Gespräch und in Imkereien gehört es mittlerweile zum Berufsalltag. Dabei geht es vorrangig um das Sterben ganzer Bienenkolonien. Die Medienberichte über eine hohe Verlustrate bei der Überwinterung von Bienenvölkern gehören ebenfalls dazu.

Früher wurde noch gesagt bei Völkerverlusten von über fünf Prozent sei man ein schlechter Imker. Mittlerweile werden Winterverluste von ca. zehn bis fünfzehn Prozent als „Normal“ angesehen.

Sobald die Verluste vereinzelt bei 20 bis 30 Prozent lagen, bekamen die Bienen wieder viel Aufmerksamkeit und die Wissenschaft hatte schnell den vermeintlichen Übeltäter entlarvt: die Varroamilbe. Sicher ist der Bienenparasit Varroa (eine Milbe aus Asien, die im Bienenvolk lebt und bei Nichtbehandlung zum Sterben der Bienen führt) eine große Herausforderung, aber grundsätzlich haben die meisten Imker diesen Parasiten im Griff.

Demonstration Bayer AG zur Jahreshauptversammlung
Demonstration Bayer AG zur Jahreshauptversammlung
Foto: Imkerei Ahrens

Die realistischere Vermutung geht dahin, dass es ein Zusammenspiel von vielen Faktoren ist. Imker müssen vor allem die Krankheiten, die das Bienenvolk bekommen kann im Blick haben. Die zunehmende Blütenarmut ist ein weiteres Problem, denn die Felder in der Landwirtschaft werden immer „sauberer“. Außerdem wird seit Tschernobyl jeder freie Quadratmeter mit Mais bepflanzt, um daraus Biogas zu produzieren, was ebenfalls die Blütenvielfalt einschränkt. Die Kommunen stehen dem in nichts nach, denn es werden regelmäßig im Frühjahr die Straßenseitenräume von allen Weiden, Hecken etc. befreit.

Des weiteren wird in der modernen Landwirtschaft mit hochgiftigen Pflanzenschutzmitteln gearbeitet, was maßgeblich zum Bienensterben beiträgt. Bei den heutigen Mitteln stellt vor allem die Stoffgruppe der Neonikotinoide ein enormes Problem dar, da diese bei den Nerven der Bienen ansetzt, wodurch sie teilweise den Bienenstock nicht mehr finden und somit das gesamte Gefüge des Bienenvolkes durcheinander gebracht wird, da diese Bienen nun im Volk fehlen.

Man kann außerdem feststellen, dass in den Völkern eine geringere Entwicklung stattfindet, denn früher lebten die Bienen noch im Überfluss, sodass man vereinzelt Teile des Bienenvolkes entfernen musste, um ein Schwärmen zu verhindern, was heute nicht mehr häufig der Fall ist. Die Vermutung liegt nahe, dass durch das Fehlen von Bienenmasse auch die Bruttemperatur niedriger ist, somit verlängern sich die Schlüpfzeiten der Brut, wodurch eine potenziell bessere Vermehrung des Bienenparasiten Varroa begünstigt werden könnte.

Dann gibt es noch diverse Insektizide der B4-Gruppe, welche laut Definition nicht bienengefährlich sind. Aber kann es wirklich insektenfreundliche Insektizide geben? Bei der Deklaration zum B4-Mittel geht es um den ld-50-Wert. Dabei wird getestet wie viele Bienen, die dem zu testenden Insektizid ausgesetzt sind, nach 48 Stunden noch leben. Wenn nach Ablauf dieser Zeit noch über 50 Prozent der beprobten Bienen leben (egal wie) wird es als ungefährlich, beziehungsweise bienenfreundlich bezeichnet.

Wann werden wir aktiv?

Die Probleme der Bienen und Insekten sind sehr besorgniserregend, hoffentlich finden wir noch rechtzeitig die Notbremse um wieder eine intakte Natur zu erhalten.

Was kann der Einzelne tun?

Achten Sie in ihrem privaten Raum darauf, dass für die nützlichen Bestäuber ein ausreichendes Nahrungsangebot in Form von Blumen vorhanden ist. Verzichten sie auf Pflanzenschutzmaßnahmen in Form von Chemie und ernähren Sie sich bewusst um auch den Landwirten für ihre gute Arbeit eine Entlohnung zu bieten.

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